Pflanzenkohle kostet Geld. Die Frage ist also nicht, ob sie im Labor funktioniert, sondern was Pflanzenkohle im landwirtschaftlichen Betrieb konkret bringt – in Gülle, Mist und auf der Fläche. Dazu gibt es inzwischen belastbare Zahlen: aus Meta-Analysen, aus einer akkreditierten Emissionsmessung und aus zwei Meisterarbeiten, die auf Praxisbetrieben mit Pflanzenkohle aus unserem Haus gerechnet haben.
Der Hebel liegt beim Stickstoff, der sonst ausgast
Bei Lagerung und Rotte entweicht Stickstoff gasförmig. Er fehlt dir auf der Fläche und steht trotzdem in deiner Bilanz.
Eine Meta-Analyse von 2025 (Xu & Xiong) hat 123 Studien mit 251 Paarvergleichen zur Kompostierung ausgewertet: Mit Pflanzenkohle sanken die gesamten Stickstoffverluste im Mittel um 41,3 Prozent, Ammoniak um 35,9 Prozent, Lachgas um 49,8 Prozent. Im Endprodukt lag 17,2 Prozent mehr Nitrat vor – der Stickstoff verlässt die Rotte also nicht mehr als Gas, sondern bleibt pflanzenverfügbar im Material.
Dass das auch unter Stallbedingungen greift, zeigt die Messung von TAUW BV (Dezember 2023) an vier Milchviehställen in den Niederlanden. Gemessen wurde über zwölf Monate nach dem Ogink-Protokoll, akkreditiert nach ISO/IEC 17025. Eingesetzt wurden CFKE zur Vernebelung im Stall und 6 Liter Karbosave Pflanzenkohle je Kubikmeter Gülle. Ergebnis: ein normierter Ammoniak-Emissionsfaktor von 10,0 kg je Tierplatz und Jahr gegenüber dem Referenzwert von 13 kg für herkömmliche Milchviehställe – 23 Prozent weniger. Die Details dazu haben wir hier beschrieben.
Die Dosis entscheidet – zweimal unabhängig bestätigt
Der praxisrelevanteste Befund der Meta-Analyse ist die Aufwandmengenkurve. Über 10 Prozent Kohleanteil (Gewichtsprozent Trockenmasse) sank Ammoniak um 60,2 Prozent und Lachgas um 93,7 Prozent. Unter 5 Prozent stiegen die Lachgasemissionen an. Zu sparsam dosiert verschenkst du den Effekt also nicht nur – du kannst ihn umkehren. Die Autoren empfehlen 10 bis 20 Prozent bezogen auf die Trockenmasse.
Interessant wird es im Vergleich mit der Praxis. Benjamin Bürg hat 2011 in seinem Meisterarbeitsprojekt an der Fachschule Landshut-Schönbrunn dieselbe Größenordnung hergeleitet, nur über einen anderen Weg: Kohlemenge in Liter gleich 10 Prozent der Gülle-Trockenmasse. Bei 7 Prozent TM sind das rund 7 Liter je Kubikmeter Gülle. Seine Faustformel dazu: Kohleeinsatzmenge in kg entspricht dem Stickstoffgehalt der Gülle in kg – ein Verhältnis von 1:1.
Zwei voneinander unabhängige Herleitungen, ein Korridor. Deshalb steht in unseren Empfehlungen 6 Liter Karbosave je Kubikmeter Gülle und 1 Kubikmeter je 10 Kubikmeter Mist – und deshalb bringen homöopathische Zugaben nichts.
Woher wir das wissen: 20 Jahre Pflanzenkohle in der Praxis
Dass wir bei der Aufwandmenge nicht raten müssen, hat einen Grund. Als in Europa noch niemand Pflanzenkohle in der Landwirtschaft einsetzte, haben wir sie auf Praxisbetrieben in Gülle und Mist ausprobiert – lange bevor es dafür Zertifikate, Fachartikel oder Lieferketten gab. Seit rund 20 Jahren stellen wir Pflanzenkohle in den Mengen und der Qualität her, die Landwirte tatsächlich brauchen, einschließlich der Eignung für Bio-Betriebe: Karbosave ist in der Betriebsmittelliste für den ökologischen Landbau gelistet.
„Uns war schnell klar, was Pflanzenkohle in Kombination mit unseren Mikroben und organischen Düngern möglich macht. Was daraus für die Bodenfruchtbarkeit entsteht, erstaunt uns nach all den Jahren trotzdem immer wieder aufs Neue.“ – Christoph Fischer, Gründer von EM-Chiemgau
Aus dieser Zeit stammen auch die Erfahrungswerte, die heute in unserer Beratung stehen: Verweildauern, Mischungsverhältnisse, Reihenfolge beim Einrühren. Vieles davon hat die Wissenschaft inzwischen nachgerechnet und bestätigt.
Was das auf der Fläche bedeutet
Bürg verglich auf Dauergrünland sechs Güllevarianten in zweifacher Wiederholung. Gegenüber der unbehandelten Gülle brachte die Variante mit Effektiven Mikroorganismen, Gesteinsmehl und Kohle 65,5 dt Frischmasse Mehrertrag, die Variante mit EM und Kohle 49 dt. Ohne Kohle lag der Mehrertrag bei 39,5 dt. Entscheidend: Der Vorsprung entstand fast vollständig im zweiten und dritten Schnitt – der dritte wurde gar nicht mehr gedüngt. Genau das ist die Nachlieferung aus der Kohle. Umgerechnet standen 24 bis 32 kg Stickstoff je Hektar zusätzlich zur Verfügung.
Josef Wild prüfte das 2013 im Bio-Silomais. Gegenüber unbehandelter Gülle erntete er bei 30 m³ mit der Kohlevariante 3,6 t Frischmasse mehr, bei 60 m³ waren es 6,2 t. In seiner Kostenrechnung deckten allein die Kohlevarianten die Kosten der Zusätze – die Variante ohne Kohle lag bei der höheren Güllegabe im Minus. Seine Beobachtung beim Ausbringen: Nach der Kohleeinmischung war von der Gülle praktisch nichts mehr zu riechen.
Beides sind einzelne Praxisversuche, keine mehrjährigen Exaktversuche. Aber sie zeigen dieselbe Richtung wie die Meta-Analyse – und sie sind nachrechenbar.



links: EM Gülle Spezial, mitte: Karbosave Pflanzenkohle, rechts: Ropro-Lit Gesteinsmehl
Kohle allein reicht nicht

Pflanzenkohle ist ein Trägermedium, kein Dünger. Karbosave ist als Bodenhilfsstoff eingestuft. Erst die Beladung mit organischer Substanz macht daraus ein funktionierendes Nährstoffdepot: Wiedner et al. wiesen 2015 nach, dass die Kohleoberfläche während der Kompostierung oxidiert und dadurch reaktiv wird. Schmidt dokumentierte für das Ithaka-Institut in über 250 Feldversuchen, dass organisch beladene Kohle bei gleicher NPK-Menge im Mittel 50 Prozent höhere Erträge lieferte als mineralisch beladene – das ist ein Vergleich zwischen zwei Beladungsarten, nicht zwischen Kohle und unbehandelt.
Praktisch heißt das: Gib der Kohle Zeit im Wirtschaftsdünger. Mindestens drei Wochen in der Gülle, mindestens acht Wochen im Mist. Frisch und unbeladen in den Boden ist die schlechteste Variante.
Kohlenstoff: was belegt ist, was nicht
Belegt ist die Kohlenstoffseite. Gross, Bromm und Glaser fanden 2021 über 64 Studien im Feld höhere Vorräte an organischem Bodenkohlenstoff – verstärkt bei längerer Anwendungsdauer und gemeinsamer Gabe mit organischen Düngern.
Nicht belegt ist der Satz, Pflanzenkohle baue Humus auf. Das FiBL stellt im Merkblatt Humuswirtschaft 2024 fest, dass Pflanzenkohle bei den gängigen Messmethoden als Humus miterfasst wird. Der gemessene Wert steigt also, nicht zwangsläufig der tatsächliche Humusgehalt. Das sagen wir dir lieber vorher, als dass du es später auf dem Analysenblatt selbst herausfinden musst.
Dein Nutzen aus Pflanzenkohle im landwirtschaftlichen Betrieb
Weniger gasförmiger N-Verlust in Gülle, Mist und Gärrest – also mehr Dünger aus derselben Menge. Nachlieferung über den zweiten und dritten Schnitt statt Strohfeuer nach der ersten Gabe. Nachweislich geringere Ammoniakfracht im Stall, gemessen unter Praxisbedingungen. Deutlich weniger Geruch bei Lagerung und Ausbringung. Stabiler Kohlenstoff, der im Boden bleibt.
Wir rechnen dir die passende Aufwandmenge für deine Gülle durch.
Tel. 08036 303150 oder agrar@em-chiemgau.de.
Datenquellen
Xu, J.; Xiong, Z. (2025): Biochar amendments mitigate trace gas emissions in organic waste composting: a meta-analysis. Nitrogen Cycling 1, e005. DOI: 10.48130/nc-0025-0003 Gross, A.; Bromm, T.; Glaser, B. (2021): Soil Organic Carbon Sequestration after Biochar Application: A Global Meta-Analysis. Agronomy 11, 2474. DOI: 10.3390/agronomy11122474 Wiedner, K. et al. (2015): Acceleration of Biochar Surface Oxidation during Composting? Journal of Agricultural and Food Chemistry 63, 3830–3837. Schmidt, H.-P. (2016): Wurzelapplikation von Pflanzenkohle. Ithaka Journal 2016, 395–402. TAUW bv (2023): Untersuchung der Ammoniakemissionen von 4 Melkständen, Bericht R001-12727773, 4. Dezember 2023. Bürg, B. (2011): Wirkungsweise verschiedener Güllezusätze auf Düngerqualität und Dauergrünland. Meisterarbeitsprojekt, Fachschule für ökologischen Landbau Landshut-Schönbrunn. Wild, J. (2013): Düngung mit unterschiedlich behandelten Güllegaben und Mykorrhiza-Einsatz im ökologischen Anbau. Meisterarbeitsprojekt, Staatliche Fachschule für Agrarwirtschaft Landshut-Schönbrunn. FiBL (2024): Merkblatt Humuswirtschaft.



